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Dienstag, 1. März 2016

Persönliche Stillberatung zu Hause:

Sie finden auf den Webseiten der drei großen Organisationen zur Stillberatung(IBCLC, LLL, AFS) jeweils eine nach Postleitzahlen gegliederte Liste von Beraterinnen:

Die Still- und Laktationsberaterin IBCLC (International Board Certified Lactation Consultant) haben einen medizinischen Grundberuf wie Krankenschwester, Hebamme oder Ärztin/Arzt. Viele bieten Hausbesuche an, oder beraten telefonisch und rechnen privat ab.

Ehrenamtlich, also kostenfrei, werden Sie  telefonisch oder in einer Stillgruppe von erfahrenen Laienberaterinnen der LaLecheLiga und der AFS beraten. 

Außerdem bieten sowohl die AFS als auch die LLL zusätzlich zur telefonischen auch die Beratung per E-Mail an. Hausbesuche eher selten und die Mutter-zu-Mutter Beratung von AFS und LLL hat enge Grenzen. Bei medizinischen Fragen werden grundsätzlich IBCLC-Stillberaterinnen oder ÄrztInnen hinzugezogen.

 

Die AFS-Telefon-Hotline erreichen Sie bundesweit unter Tel. 0228 92 95 9999
Auf der Suche nach einer Stillgruppe will diese Seite helfen: http://www.stillgruppen.de/

Beratungs-Angebot in der Münchner Beratungsstelle Häberlstraße-17:

  • Offene Stillgruppe: Beratung und Austausch zu allen Baby-Fragen, jeden Mittwoch 10:30 bis 11:45 h im Nebenzimmer des Café Netzwerk, Häberlstraße 17, 80337 München - Nähe Goetheplatz. Wenn Sie im Großraum München wohnen, schauen Sie doch ganz spontan einmal vorbei! Anmeldung ist nicht erforderlich (2,-€ UKB).
  • Individuelle, ausführliche Beratung : Sie kommen mit Ihrem Baby vorbei und haben eine Stunde Zeit für alle Ihre Fragen. Dafür vereinbaren Sie telefonisch einen Termin unter 089-5506780 (30,-€ / Std.). Auch mit Ihren Fragen zur Beikost oder wenn Ihnen das Essverhalten Ihres Kleinkindes Sorgen macht, sind Sie hier richtig.
  • Telefonische Kurzberatung : Rufen Sie einfach unter 089-55067815 an!  (10 Min. kostenfrei).  
  • Hausbesuche : Gerade bei Stillfragen im Wochenbett ist ein Hausbesuch ideal. Fragen Sie im Büro der Beratungsstelle (Tel. 089-5506780) danach.



Mittwoch, 10. September 2014

Das Baby weint beim Stillen?



 

Verdruss an der Brust

von Dagmar Fritz ,  übernommen aus meinem Buch „Stillen“.

Wenn das Baby beim Stillen weint...

Um der Ursache für Babys Unwohlsein auf den Grund zu gehen, ist es wichtig, auf den Zeitpunkt zu achten, an dem das Baby beim Stillen zu weinen beginnt: Weint es vor dem Trinken, während oder nach dem Stillen, so kommen unterschiedliche Ursachen für Babys Frust an der Brust in Frage:


Das Baby weint vor dem Trinken:

  • Eigentlich klappt es mit dem Stillen ganz gut, aber manchmal tritt Ihr Kind ganz plötzlich in den Stillsteik? Das könnte darauf hindeuten, dass das Kind durch ungewöhnliche Umstände irritiert ist. Vielleicht nimmt es einen ungewohnten Duft wahr? Ein neues Waschmittel, Deodorant oder Duschgel könnte die Ursache dafür sein, dass ihr Baby sich gestört fühlt. Versuchen Sie folgendes: Duschen Sie vor dem Stillen ohne Duschgel und tragen Sie danach Kleidung, die ohne Waschmittel gewaschen wurde. Wenn das Baby danach wieder ruhig trinkt, wissen Sie, dass es an einem ungewöhnlichen Duft gelegen hat.
  • Größere Babys streiken manchmal, wenn sie vom Zufüttern Verstopfung haben. Hören Sie vorübergehend auf mit dem Zufüttern und fragen Sie Ihre Stillberaterin, wenn das Problem anhält.
  • Haben Sie schon mal etwas von „Saugverwirrung“ gehört? Die Mundmotorik von Babys stellt sich in den ersten Lebenswochen immer besser aufs Trinken an der Brust ein. An der Brust zu trinken erfordert für Babys eine andere Technik als an einem künstlichen Sauger zu nuckeln. Bietet man dem Kind mal die Brust, mal einen Nuckel an, kann das die Kleinen gehörig durcheinanderbringen, sodass es den Anschein hat, das Baby käme mit der Brust nicht mehr zu Recht. Um dies zu vermeiden, sollte man kleinen Babys gerade in den ersten Lebenswochen nur die Brust anbieten und auf alle künstlichen Sauger verzichten. Solange das Baby nicht trinkt, können Sie dem Kind die abgepumpte Muttermilch mit einem Löffelchen einträufeln. Nach ein oder zwei Tagen wird sich die Saugverwirrung legen und das Baby trinkt wieder normal.

Das Baby weint während des Trinkens:

  • Das könnte am Geschmack der Milch liegen: Starke Gewürze aber auch körperliche Anstrengung vor dem Stillen beeinflussen vorübergehend den Geschmack der Milch. Essen Sie deshalb etwas vanillehaltiges, vielleicht einen Joghurt oder Milchreis mit natürlicher Vanille. Das neutralisiert das ungewohnte Aroma und lässt die Milch angenehmer schmecken. Weil Babys süßen Vanillegeschmack so gerne mögen, setzten sogar Produzenten von künstlichem Babymilchpulver ihren Produkten Vanillearoma zu.
  • Beim Trinken reagieren Babys manchmal mit Bauchschmerzen: Es knattert und grummelt im Bauch. Diese starken Darmbewegungen können sehr schmerzhaft für Babys sein. Ein warmes Bad oder ein lauwarmes Kirschkernkissen auf das Bäuchlein gelegt helfen, schmerzhafte Verspannungen zu lösen.
  • Hat Ihr Baby Schnupfen, dann kann es beim Trinken nicht atmen und kann dementsprechend auch nicht in Ruhe seinen Hunger stillen. Spritzen Sie deshalb einen Tropfen Muttermilch in jedes Nasenloch, damit wird die Nase wieder frei.
  • Einige Babys haben eine Lieblingsseite an der sie trinken, an der anderen Brust verweigern sie regelmäßig das Trinken. Das kann an unterschiedlich geformten Brustwarzen liegen, aber auch daran, dass die Milch auf einer Seite leichter ausströmt als aus der anderen Seite. Stillen Sie das Baby im Wiegegriff und lassen Sie das Kind von einer Brust zur anderen gleiten. Beenden Sie das Stillen mit der bevorzugten Seite. Das Baby ist gegen Ende des Stillens müde, an seiner Lieblingsseite fällt ihm dann das Trinken leichter.

Das Baby weint nach dem Trinken:

  • Wahrscheinlich ist noch Luft im Bäuchlein und die drückt und tut weh. Lassen Sie das Kind deshalb gut aufstoßen. Es kann aber auch sein, dass das Baby besonders in den ersten drei Lebensmonaten zu Koliken neigt und von Bauchschmerzen geplagt ist. Der sogenannte Fliegergriff (das Baby bäuchlings auf dem Arm halten) und ein warmes Kischkernkissen aufs Bäuchlein helfen hier, die schmerzhaften Verspannungen zu lösen


„Noch mehr interessante Informationen zum Thema Stillen und Stillprobleme enthält der Ratgeber von Vivian Weigert: "Stillen - das Begleitbuch für eine glückliche Stillzeit" im Kösel-Verlag.



Donnerstag, 26. Juni 2014

Wie lange stillen?

"Waaaas, du stillst noch?"

Diese Frage hören Mamas heute ja schon ziemlich früh, finde ich. Hier folgen gute, wissenschaftlich fundierte Argumente für eine etwas längere Stillzeit -  sowohl für das Stillen im zweiten Lebenshalbjahr, als auch für das Stillen im zweiten Lebensjahr.
Meine Kurzantwort, wenn ich als Expertin gefrage werde: Die Stillzeit soll solange dauern, wie sie Freude macht.
 

Alle existierenden Studien zeigen eindeutig: Der Wert der Muttermilch lässt niemals nach, egal wie groß das Kind ist. Und alle Forschungsergebnisse zeigen, dass die Gesundheit von Kindern  umso besser ist, je länger sie Muttermilch erhalten haben. Es gibt aus wissenschaftlicher Sicht keinen einzigen Grund, vom Stillen abzuraten weil das Baby größer wird.

Bioverfügbarkeit, Vitamine und Mineralien


Auch im zweiten Lebensjahr profitieren Kinder noch sehr von Muttermilch. In diesem Alter trinken Kinder selten mehr als zwei richtige Stillmahlzeiten, das sind ca. 500ml. Damit  können sie, bei gleicher sonstiger Nahrungsmenge, immerhin ein Drittel ihres Energiebedarfs (31%) decken und erhalten im Alter von 13-18 Monaten noch 25 % mehr Energie als abgestillte Kinder und immer noch 17 % mehr, sobald sie älter sind als 18 Monate. 
Im Einzelnen deckt dies den täglichen Bedarf an
  • Eiweiß zu 38 %
  • Vitamin C zu 95 %
  • Vitamin A zu 100 %
  • Calcium zu 44 %
  • Niacin zu 41 %
  • Folsäure zu 26 %
  • Riboflavin zu 21 % und
  • Eisen zu 50%
Eisen ist typisch für die gute Bioverfügbarkeit der Inhaltsstoffe der Muttermilch. Sehr interessant auch dies: Die Vitamin C-Konzentration der Muttermilch ist gegen Ende des ersten Lebensjahres 3,3 mal höher als im Blutplasma der Mutter. Selbst wenn die Mutter erniedrigte Vitamin C-Werte hat, wird es in der Milch bis zu 6-12fach angereichert. Stillkinder erhalten so höhere Konzentrationen an Vitamin C als Kinder, die künstliche, mit Vitamin C angereicherte Babynahrung, Gemüse und Früchten bekommen.
Wird ein Kind vor dem zweiten Geburtstag abgestillt, braucht es selbstverständlich viel mehr feste Nahrung als vorher – laut einer Studie wurden die anderen Nahrungsmittel um 60% erhöht – und auch das reicht nicht immer aus.  Unter Umständen kann ein abgestilltes Kind unter einem Energiedefizit leiden – ein Defizit um 28% laut einer Studie von 1982. Eine andere Studie zeigte, dass nicht gestillte Kinder nur 84% der vorgeschlagenen Kalorieneinnahme hatten, während noch gestillte Kinder 108% der optimal erachteten täglichen Kalorienmenge zu sich nahmen.

Muttermilch ist Immunschutz pur

Weil das größere Baby mehr Krankheitserregern begegnet, bekommt es in der Muttermilch eine zunehmende Menge an Antikörpern, die es dabei schützen. Im zweiten Lebensjahr erreicht dieser unnachahmliche Immunschutz teilweise ähnlich hohe Werte wie in der ersten Milch direkt nach der Geburt. Lysozym, das die Zellwand von Bakterien zerstört, ist z.B. in der Muttermilch eines Kindes von 18 Monaten in größerer Konzentration zu finden, als bei einem Kind von 6 Monaten. Die Muttermilch enthält weiterhin Immunstoffe gegen alle Krankheitserreger, denen Mama begegnet und schützt damit immer auch gleich direkt ihr Kind davor. Das ist ein wichtiger Grund dafür, dass Kinder, die lange Zeit gestillt werden, erst sehr viel später ihre ersten Infekte durchmachen. Wenn kleine Kinder krank sind lehnen sie oft jede Nahrung ab. Gestillte Kinder tun das auch, aber sie trinken doch gerne ihre Muttermilch. Dadurch werden sie schneller wieder gesund und erholen sich rascher von der Krankheit.
 
 
 
 
 
 
 

Wie lange will ich stillen - das sagt die Expertin:

Warum stillen viele Frauen früher ab als geplant? Und wie können sich stillende Mütter das Leben leichter machen? Darüber sprach ELTERN-Autorin Nora Imlau mit Vivian Weigert. Die Stillberaterin und Leiterin der Fachstelle für Säuglingsfragen e. V. in München hat gerade ein einfühlsames und hilfreiches Buch zum Thema veröffentlicht: "Stillen. Das Begleitbuch für eine glückliche Stillzeit" (Kösel, 14,95 Euro).
  • Fast alle Schwangeren geben in Umfragen an, ihr Baby die empfohlenen vier bis sechs Monate voll stillen zu wollen. Weniger als der Hälfte gelingt das. Fehlt es deutschen Müttern an Durchhaltevermögen?
Nein, und auch nicht an gutem Willen. Wenn eine Stillbeziehung nach wenigen Wochen endet, dann in den seltensten Fällen auf Wunsch der Mutter. 'Bei mir hat's leider nicht geklappt“, sagen mir diese Frauen traurig. Dieses Bild ist immer noch in den Köpfen: dass Stillen irgendwie Glückssache ist. Die einen können's, die anderen nicht. Und in Wirklichkeit? Kann es praktisch jede Frau - wenn sie die richtige Beratung und Unterstützung bekommt.
  • Ein Satz, den viele Frauen nicht gern hören.
Ja, weil er für sie wie ein Vorwurf klingt: Jede kann stillen - warum nicht auch du? So meine ich ihn aber nicht. Ich will Frauen vielmehr Mut machen: Ihr habt die wunderbare Gabe, euer Baby an der Brust ernähren zu können. Lasst euch das nicht nehmen, sondern fordert die Hilfe ein, die ihr braucht. Denn die Gründe für unfreiwilliges frühes Abstillen sind immer die gleichen. Entweder starke Schmerzen beim Stillen oder das Gefühl, das Baby würde nicht satt. Probleme, die mit der richtigen Stillberatung oft gar nicht erst auftreten würden - oder schnell gelöst werden könnten.
  • Wie können Frauen sonst noch verhindern, dass sie unfreiwillig früh abstillen?
Wir wissen heute, dass die ersten Stunden nach der Geburt ungeheuer wichtig sind für die Stillbeziehung. Also sollten Mütter darauf bestehen, in dieser Zeit nicht von ihrem Baby getrennt zu werden. So kann die U1 beispielsweise auch auf dem Bauch der Mutter gemacht werden, und alle Routine kann warten, bis das Baby zum ersten Mal an der Brust lag.
  • Wenn dann das Stillen gut und schmerzfrei klappt ...

...genießen es die meisten Frauen sehr. Das Baby wächst und gedeiht, und in dieser Phase denken die wenigsten Mütter ans Abstillen. Das ändert sich allerdings recht zuverlässig mit dem vierten Lebensmonat.
  • Was ist da los?
 In diesem Alter lassen sich Babys leicht ablenken. Sehen sie beim Trinken etwas Spannendes, zappeln sie herum, docken sich ab - und holen in der Nacht die Milchmahlzeiten des Tages nach. Die Mütter haben nachts also stündlich ihr Kind an der Brust, sind erschöpft und denken dann: Wahrscheinlich reicht meine Milch eh' nicht mehr!
  • Was ist die Alternative?

Das Baby ganz bewusst tagsüber mindestens alle drei Stunden an die Brust zu legen und durch häufigeres Wechseln beider Seiten die Mahlzeiten tagsüber wieder zu verlängern, nachts hingegen nur das Minimum anzubieten.
  • Dann werden die Nächte von selbst besser?
Meistens, ja. Allerdings brauchen Babys etwa zwei Wochen, um sich umzustellen. Leider beobachte ich immer wieder, dass Mütter denken, sie dürften nicht in den Stillrhythmus eingreifen. Schreibt eine Mutter in einem Internetforum, dass sie von den durchgestillten Nächten völlig erschöpft ist, kriegt sie oft zur Antwort: "Halt durch und gib deinem Baby jederzeit, was es braucht!" Damit wird ihr Problem aber weder ernst genommen noch gelöst, denn das Baby könnte seinen Bedarf auch tagsüber stillen. Viele Frauen wollen vor allem deshalb abstillen, weil sie den Schlafmangel nicht mehr aushalten. Wenn ich ihnen dann vorschlage, erst mal nur nachts abzustillen, sind sie ganz verblüfft. Das soll gehen? Klar geht das!
  • Und wie genau?

Indem es in einem bestimmten Zeitfenster nachts keine Milch mehr gibt, während man tagsüber für ein ausreichendes Angebot sorgt. Ist ein Baby älter als sieben oder acht Monate, sehe ich darin kein Problem. Natürlich ist es wichtig, ein Baby mit dem Frust über die Umstellung nicht allein zu lassen, es zu trösten und mit ihm zu kuscheln. Aber meist akzeptieren Babys diese neue "Still-Ordnung" schnell und schlafen in der nächtlichen Pause durch - und die Mutter ist dann so ausgeschlafen, dass sie das Stillen tagsüber wieder genießen kann.
  • Sie betonen die Vorteile des Stillens übers erste halbe Jahr hinaus. Schlimm, wenn eine Mutter dazu keine Lust mehr hat?
Nein. Entscheidet sich eine Frau bewusst dafür, abzustillen, gibt es daran nichts auszusetzen. Traurig ist nur, wenn sie selbst das Gefühl hat, es sei zu früh - etwa, weil jemand sie dazu drängt.
  • Wann ist denn aus Ihrer Sicht der optimale Zeitpunkt?

Ganz einfach: wenn eine Mutter merkt, dass sie nicht mehr stillen will. Nicht, weil die anderen sagen, sie sei eine Glucke. Sondern weil sie selber spürt: Jetzt ist es genug. Eine zu kurze Stillzeit gibt es übrigens nicht. Stillen ist immer wertvoll. Egal, ob eine Mutter ihrem Kind einige Wochen oder viele Monate lang die Brust gegeben hat - sie kann in jedem Fall sehr stolz darauf sein. Denn: Eine zu kurze Stillzeit gibt es nicht!

Wie lange will ich stillen - eine Frage der Kultur

Darüber erhitzen sich die Gemüter. Warum? Weil die Frage nach der Stilldauer zunächst einmal eine kulturelle ist: Die durchschnittliche Gesamtstilldauer liegt zwar weltweit bei etwa 30 Monaten, doch die regionalen Unterschiede sind immens. Während bei dem afrikanischen Stamm der Kung drei bis vier Jahre üblich sind, beantworten viele französische Mütter die Frage nach dem richtigen Abstill-Zeitpunkt ganz nüchtern: "zum Krippenstart" - also mit etwa sechs Wochen. Oder sie fangen erst gar nicht damit an, die Brust zu geben.

Wie lange will ich stillen - das sagt die Wissenschaft

Studien belegen, dass eine längere Stillzeit für Mutter und Kind gesundheitlich nur Vorteile hat. Deshalb empfiehlt etwa die Weltgesundheitsorganisation (WHO) explizit auch Müttern in Industrienationen, ihr Kind begleitend zu altersangemessener Beikost bis zum zweiten Geburtstag oder sogar darüber hinaus zu stillen, wenn es ihnen damit gut geht. Gleichzeitig ist auch klar: Diese Empfehlung hat hier lange nicht die Dringlichkeit wie etwa in Entwicklungsländern. Denn wir haben das Privileg, jederzeit auf hochwertige Babynahrung zurückgreifen können. Zusammengefasst heißt das: Mütter können ihr Kind mit gutem Gewissen so lange stillen, wie sie möchten. Und wenn sie genug haben, ist es genug - ob nach einigen Wochen oder nach vielen Monaten.
 
 
 
 
 
 
 

 
 

 

 
 
 

 

 

 

 



 
 

 

 

 



Sonntag, 17. November 2013

 

Stillen bei Grippe?

"Muttermilch hat die besondere Eigenschaft, Viren mit einer Hülle abzutöten. Darum können Mütter trotz verschiedener Erkrankungen weiterstillen, ohne ihr Baby zu gefährden - sogar bei Hepatitis C" schreibt Sandra Büchi hier:
 
http://www.srf.ch/gesundheit/koerper/stillen-bei-grippe

"Viren wie das Hepatitis-C-Virus haben keine Chance gegen Muttermilch. Das zeigt eine Untersuchung von Eike Steinmann und ihrem Team. Link zur Studie: http://jid.oxfordjournals.org/content/early/2013/10/15/infdis.jit519.full.pdf+html
«Bezüglich der antiviralen Eigenschaften von Muttermilch gehen wir davon aus, dass nur bestimmte Viren, und zwar die Viren, die eine Hülle haben, abgetötet werden. Bei ‹nackten› – also unbehüllten – Viren wie zum Beispiel dem Rotavirus, sehen wir diesen Effekt nicht.» In der Studie wurde auch der Grippevirus H1N1 untersucht – auch ihm setzte die Muttermilch zu. «Über andere Erkältungsviren können wir leider keine Aussage treffen», bedauert Eike Steinmann.

Die Forscher versetzten Muttermilch von gesunden Frauen in Kulturschalen mit hohen Virusmengen und analysierten anschließend die Effekte auf die Erreger. Die Muttermilch tötet viele Viren ab. Bei vier Grad Celsius setzte sie Hepatitis-C-Viren innerhalb von einer Minute Schachmatt – genauso schnell wie 80-prozentiger Alkohol. Die Forscher untersuchten diese Eigenschaft im Labor. Sie gehen jedoch davon aus, dass diese Erkenntnis sich auch auf die stillende Frau übertragen lassen.

Laut Forscherteam sind freie Fettsäuren in der Milch für den antiviralen Effekt verantwortlich. Sie lösen die Hüllen der Viren auf. Weder mit Muttermilchersatzprodukten noch mit Kuh- oder Pferdemilch ließ sich dieser Effekt reproduzieren.

Krank – weiterstillen? 


Ärzte und Stillberaterinnen empfehlen Frauen weiter zu stillen, wenn sie krank sind. Denn die Muttermilch enthält viele wichtige Immunstoffe und Antikörper, die das Immunsystem der gestillten Säuglinge stärken. Auch wenn die Mutter erkrankt ist, enthält die Muttermilch weiterhin viele Immunstoffe und Antikörper. Frauen, die sich zu erschöpft zum Stillen fühlen, sollten die Milch abpumpen und das Baby mit dem Fläschchen füttern.
Neben der Muttermilch lassen sich Babys aber auch durch weitere Vorsichtsmaßnahmen vor Ansteckungen schützen:
  • Häufiges Händewaschen mit Seife.
  • Hände des Babys öfters waschen.
  • Küsschen vermeiden, Hautkontakt aber unbedingt weiter aufrechterhalten.
  • Beim Niesen oder Husten abwenden, gegebenenfalls Mundschutz verwenden.
  • Die gemeinsame Verwendung von Spielzeug und anderen Gegenständen, die der Säugling in den Mund nimmt, sollte eingeschränkt werden. Alles, was mit dem Mund des Säuglings in Kontakt kommt, sollte gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden.
  • Schnuller (inkl. Schnullerring) und andere Gegenstände sollten nicht von Erwachsenen oder anderen Kindern in den Mund gesteckt werden, ehe der Säugling sie erhält.
Bei diesen Krankheiten sollten Sie laut des Berufsverbands Schweizerischer Stillberaterinnen nicht mehr stillen und dies mit Ihrem Arzt besprechen:
  • Streptokokken Typ A und B: Stillpause von 24 bis 48 Stunden, bis Antibiotikum wirkt.
  • HIV und Humane T-Zell-Leukämie: In Industrieländern gilt die Empfehlung, nicht zu stillen.
  • Zytomegalie-Viren (CMV): Für Früh­ge­borene gilt die Empfehlung, nicht zu stillen.
  • Akut ausgebrochene Windpocken- oder Maserninfektion: Nach einer passiven Immunisierung des Kindes mit Immunglobulinen ist Stillen möglich."