Samstag, 5. September 2009

Fragen zum Stillen

Sehr geehrte Frau Weigert,
seit 4.8. bin ich nun glückliche Mutter eines Sohnes und hatte dank mehrfachen Lesens Ihres "Kleinen Stillbuches" einen wunderbaren Stillanfang mit unkompliziertem Milcheinschuss. Mein Sohn hatte bei Entlassung am Freitag sein Geburtsgewicht bereits überschritten, was will man mehr.
Jetzt daheim sind doch noch ein paar Fragen aufgetaucht, leider scheint meine Nachsorgehebamme nicht besonders kundig beim Stillen zu sein, denn die meisten ihrer "Tipps" widersprechen im Großen und Ganzen dem was ich bisher "gelernt" habe. Deswegen wende ich mich mit ein paar Fragen an Sie, meine Stillgruppe ist erst nächste Woche wieder und ich möchte bis dahin nichts verkehrt machen.

1. Ich stille zwischen 7 (bisher nur einmal) und 10 mal täglich, jeweils 30-60 Minuten lang, wobei der Kleine nicht kontinuierlich trinkt, sondern meistens anfangs 10-15 Minuten, dann wird er schläfrig, ich wickle ihn und dann "docken" wir noch ein paar Mal an bis er satt ist. Meistens braucht er ganz am Ende, wenn er wieder in seinem Bettchen liegt, nochmal einen Nachschlag, er wird dann unruhig, macht Suchbewegungen und schläft nach nochmal ca 1 Minute an der Brust dann ein. Ich habe das für mich als "Gemütlichkeitsschluck" definiert. Ist das denn alles so im Rahmen und ok? Meine Hebamme meint, 10 mal Brust am Tag wäre zu viel, das wäre wie in einer Wachstumsphase, aber so wie ich das verstanden habe, kommen die Kleinen dann ja eher stündlich zum Teil?

2. Mein Kind hat bis heute tatsächlich 600 (!) gramm zugenommen. Jetzt mache ich mir Sorgen, dass er zu dick wird, auch wenn es heißt, Brustkinder könnten nicht überfüttert werden. Die Hebamme rät zu Tee zwischendurch, ich halte eher weniger davon, heißt ja auch Stillen nach Bedarf und jetzt schon diätetische Massnahmen zu ergreifen, finde ich übertrieben. Was meinen Sie? Ich versuche mich gesund zu ernähren, aber muss gestehen, dass ich relativ viel Süßes und auch zum Teil Fettiges esse. Allerdings muss ich mich insgesamt eher zum Essen zwingen, um nicht noch rapider an Gewicht zu verlieren. Können sich überhaupt entsprechende Ernährungsgewohnheiten auf die Zusammensetzung der Milch auswirken und damit auf den Energiegehalt? Die Hebamme hat mich nämlich gefragt, ob ich viel Sahne essen würde (ernsthaft). Oder kann die Gewichtszunahme daher kommen, dass ich über 5 Tage pro Mahlzeit nur 1 Brust gegeben habe, da ich wahnsinnig viel Milch habe? Seit gestern gebe ich jetzt wieder beide Brüste pro Mahlzeit.

3. Im Zuge dessen, dass ich so viel Milch habe, habe ich die andere Brust bei den Mahlzeiten "auslaufen" lassen oder ausgestrichen, zum Teil habe ich mit der Handpumpe einmal angepumt und dann ins Vakuum ausgestrichen, für mich etwas einfacher. Ist das ok oder regt das auch die Milchbildung an?

4. Mein Sohn trinkt wie oben bereits erwähnt, selten kontinuierlich über einen längeren Zeitraum, das längste,was wir mal geschafft haben, waren 15 Minuten. Ansonsten setzt er immer wieder ab, macht Suchbewegungen und ich docke ihn dann erneut an (zunächst auch immer an derselben Brust, erst wenn ich den Eindruck habe, dass der Appetit nachlässt, wechsle ich oder wenn er wirklich die Warze aus dem Mund gleiten lässt). Gibt es etwas, was ich dagegen tun kann oder hat es mit der vielen Milch zu tun? Auch die insgesamt recht kurzen Mahlzeiten (also die wirkliche Zeit des Trinkens) machen mich etwas stutzig, auf der anderen Seite kann ich ihn ja auch nicht zum längeren Trinken zwingen...

5. Mein Sohn macht häufig Suchbewegungen, reißt den Mund ganz weit auf und möchte sich dann doch erst nach mehreren Versuchen andocken lassen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Vielen Dank für Ihre Mühe und für Ihr tolles Buch!

Viele Grüße
Veronika Johannson

  • Liebe Frau Johannson,
  • herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Sohn! Es freut mich sehr, dass Ihnen mein "Kleines Stillbuch" gut zur Seite stand!
  • Ich habe Ihre Mail gerade aufmerksam durchgelesen und kann Ihnen sagen: Sie machen alles BESTENS!!! Hier meine detaillierteren Antworten auf Ihre fünf Fragen:
  1. Sie schildern hier das normale Trinkverhalten eines Babys in diesem Alter - sehr schön!
  2. Machen Sie sich bitte keine Sorgen! Sie haben vollkommen recht, ein Baby wird an der Brust nicht überfüttert und braucht in den ersten sechs Lebensmonaten nichts anderes als Muttermilch. Auch von Tee wird abgeraten. (Übrigens: alle meine Aussagen hier sind wissenschaftlich fundiert und keineswegs nur meine "Meinung"). Ihre Ernährung entspricht ebenfalls dem, was empfohlen wird - versuchen Sie, ihren Appetit auf Süßes (in der Stillzeit physiologisch bedingt und vollkommen normal) mit Sachen zu stillen, die von Natur aus süß sind - z.B. Datteln, getrocknete Aprikosen, etc. - und auch beim Fett kommt es auf die beste Qualität an, also hochwertige Pflanzenfette wie sie in Nüssen und Samen enthalten sind sowie in entsprechenden Ölen (Leinöl, Nussöl, Kernöl, Keimöl, etc.) Die Muttermilch entspricht immer den Bedürfnissen des Babys, unabhängig von der aktuellen Ernährungsweise der Mutter (in den westlichen Industrieländern), lediglich der Vitamingehalt und die Qualität der Fettsäuren lässt sich teilweise durch eine entsprechende Ernährung verbessern.
  3. Lassen Sie die Milch lieber auslaufen und verzichten Sie auf die Pumpe, die regt tatsächlich die Milchbildung an - so wie Sie es beschreiben dürfte das nicht sehr wesentlich sein, aber trotzdem: lieber nicht. Sie können die auslaufende Milch auffangen in einer speziellen Milchauffangschale, die es im Handel gibt.
  4. So wie Sie das beschreiben sehe ich es jeden Tag bei Babys in diesem Alter, Ihr Sohn gestaltet damit den Milchfluss nach seinen Bedürfnissen. Auch das Wechseln auf die zweite Seite beschreiben Sie ganz so, wie ich es in diesem Fall empfehlen würde.
  5. Auch dies: typisch in den ersten Wochen/Monaten. Es gibt ja auch keine Eile!
  • Seien Sie also stolz auf sich und auf Ihren Sohn, freuen Sie sich, dass Sie so viel Milch haben, dass Ihr Sohn so gut gedeiht, dass er so schön trinkt, dass sich alles so wunderbar reguliert, v.a.: dass Sie so viel Liebe haben! Herzliche Grüße!

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