Samstag, 10. Oktober 2009

Dienstag, 29. September 2009

Optimaler Zeitpunkt der Beikosteinführung

Eine gemeinsame Stellungnahme von:
Aktionsgruppe Babynahrung AGB
Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen
Ausbildungszentrum für Laktation und Stillen
Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen BDL
Deutscher Hebammenverband DHV
Europäisches Institut für Stillen und Laktation des VELB
La Leche Liga Deutschland e.V. LLLD
Verband Europäischer LaktationsberaterInnen VELB
finden Sie hier:
http://www.afs-stillen.de/cms/cms/front_content.php?idart=583

Montag, 21. September 2009

Zwillinge stillen

liebe frau weigert,
ich habe während meiner zwillings-schwangerschaft nach einem stillbuch gesucht, denn meine motivation fürs stillen war gleich null. einzig und allein aus dem grund dass ich auch nicht immer grosses verlangen danach hatte, dass mein partner mir an die brust ging :-)) doch ich wollte es nicht auf dieser mangelnden motivation beruhen lassen, so wollte ich wenigstens 1 stillbuch lesen um danach nochmal in mich reinzuhören. und nun stille ich schon den 6. monat meine zwillinge voll!!!


ihr buch hat meine abneigung in ein " muttermilch ist wichtig und man kanns ja mal probieren" gewandelt.

meine zwillinge kamen in münchen- grosshadern 6 wo zu früh am 14.12 2008 auf die welt. die ersten 2 wo hab ich alle 3h mit einer doppelpumpe abgepumpt , das bekamen die 2 mit der sonde und später mit dem fläschen. kurz vor der entlassung habe ich meine tochter tamika probiert zu stillen ( mein sohn fands mit der flasche schöner), es klappte gut bis es hiess ich müsse den rest ihres solls mit der flasche geben. nach 2 tagen wollte sie nur noch die flasche, und so wurden wir mit 2 mumi-flaschen kindern entlassen. daheim hatten wir einen 3h rythmus und kamen zeitlich kaum hin, daraufhin beschloss ich am 4.tag, "ab jetzt wird nur noch gestillt".
natürlich sank ihre tagesmenge gegenüber der flasche, aber aufgrund ihres buches wusste ich, dass es sich schon nach ein paar tagen einpendeln wird und so fand ich kraft und mut mich entschieden gegen das zufüttern mit flasche auszusprechen.


ich kann mich nur bei ihnen für dieses wunderbare buch bedanken, wir haben eine so schöne stillzeit!!!

ich stille von anfang an tandem und es ist so süss wenn beide genüsslich die warze loslassen und seelig einschlafen.
vielen vielen dank
herzlichst ihre leserin
Madeleine Peter mit tamika und tyron



   (und 14 Monate später:)

liebe frau weigert, 
ich möchte Sie höflich fragen ob ich mir bei Ihnen einen rat holen kann wenn ich abstillen möchte???
ich glaube es wird nicht so einfach sein und ich möchte auch dort einen sanften weg einschlagen,
meine persönliche deadline liegt um den 2.geburtstag herum... :-)
viele sonnige grüsse
Ihre Madeleine Peter

Samstag, 5. September 2009

Frühchen

Sehr geehrte Frau Weigert,
Ihr Buch hat mir sehr gefallen.
Eine Frage ist bei mir noch offen geblieben: Meine Tochter wurde 9 Wochen zu früh geboren. Rechnet man das Alter von 6 Monaten für den Beginn der Beikost ab dem tatsächlichen Geburtstermin oder ab dem errechneten Geburtstermin?
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!
Mit freundlichen Grüßen
Petra W.


  • Liebe Petra W.,
  • freut mich, dass Ihnen mein Buch gefallen hat!
  • Der Empfehlung, sechs Monate ausschließlich zu stillen und erst Beikost anzubieten, wenn das Kind ein halbes Jahr alt ist, liegt v.a. der Gedanke der Allergieprävention zugrunde und dabei geht es um Darm-Reife. Deshalb empfehle ich Ihnen, vom errechneten Geburtstermin auszugehen - denn wie soll der Darm die neun Wochen bereits eingeholt haben in seiner Entwicklung? Andererseits : Zeigt Ihre Tochter etwas früher schon sehr großes Interesse, dann brauchen Sie ihr ein wenig Beikost nicht strengstens zu verwehren - dies gilt, sobald sie vom errechneten Geburtstermin aus volle vier Monate alt ist. Denn auf jeden Fall relevant sind zwei Fakten:
  • Bevor ein Baby im fünften Lebensmonat ist, würde ihm etwas anderes als Muttermilch oder Muttermilchersatznahrung schaden.
  • Ihr Kind sollte so lange und so ausgiebig gestillt werden, wie Sie beide das wünschen. Muttermilch ist das Grundnahrungsmittel im 1. Lebensjahr, deshalb spricht man von "Beikost" bei den ersten Breien. In der Regel erleiden Kinder keinerlei Mangel wenn sie ein Jahr lang voll stillen und nichts anderes zu sich nehmen würden - andersherum kann das nicht behauptet werden. Muttermilch oder entsprechenden Milchersatz sollen unsere Kinder auf jeden Fall bis zum 2. Geburtstag bekommen.
  • In meiner Erfahrung zeigt sich: Sobald ein Kind neue Lebensmittel gut verträgt und gut verwerten kann (= Reife der Stoffwechselorgane) hat es auch Appetit darauf! Und zwar genau in der Menge, die ihm gut tut. Deshalb meine obigen Empfehlungen.
  • Viel Freude weiterhin mit der Ernährung Ihrer Tochter! Herzliche Grüße!

Fragen zum Stillen

Sehr geehrte Frau Weigert,
seit 4.8. bin ich nun glückliche Mutter eines Sohnes und hatte dank mehrfachen Lesens Ihres "Kleinen Stillbuches" einen wunderbaren Stillanfang mit unkompliziertem Milcheinschuss. Mein Sohn hatte bei Entlassung am Freitag sein Geburtsgewicht bereits überschritten, was will man mehr.
Jetzt daheim sind doch noch ein paar Fragen aufgetaucht, leider scheint meine Nachsorgehebamme nicht besonders kundig beim Stillen zu sein, denn die meisten ihrer "Tipps" widersprechen im Großen und Ganzen dem was ich bisher "gelernt" habe. Deswegen wende ich mich mit ein paar Fragen an Sie, meine Stillgruppe ist erst nächste Woche wieder und ich möchte bis dahin nichts verkehrt machen.

1. Ich stille zwischen 7 (bisher nur einmal) und 10 mal täglich, jeweils 30-60 Minuten lang, wobei der Kleine nicht kontinuierlich trinkt, sondern meistens anfangs 10-15 Minuten, dann wird er schläfrig, ich wickle ihn und dann "docken" wir noch ein paar Mal an bis er satt ist. Meistens braucht er ganz am Ende, wenn er wieder in seinem Bettchen liegt, nochmal einen Nachschlag, er wird dann unruhig, macht Suchbewegungen und schläft nach nochmal ca 1 Minute an der Brust dann ein. Ich habe das für mich als "Gemütlichkeitsschluck" definiert. Ist das denn alles so im Rahmen und ok? Meine Hebamme meint, 10 mal Brust am Tag wäre zu viel, das wäre wie in einer Wachstumsphase, aber so wie ich das verstanden habe, kommen die Kleinen dann ja eher stündlich zum Teil?

2. Mein Kind hat bis heute tatsächlich 600 (!) gramm zugenommen. Jetzt mache ich mir Sorgen, dass er zu dick wird, auch wenn es heißt, Brustkinder könnten nicht überfüttert werden. Die Hebamme rät zu Tee zwischendurch, ich halte eher weniger davon, heißt ja auch Stillen nach Bedarf und jetzt schon diätetische Massnahmen zu ergreifen, finde ich übertrieben. Was meinen Sie? Ich versuche mich gesund zu ernähren, aber muss gestehen, dass ich relativ viel Süßes und auch zum Teil Fettiges esse. Allerdings muss ich mich insgesamt eher zum Essen zwingen, um nicht noch rapider an Gewicht zu verlieren. Können sich überhaupt entsprechende Ernährungsgewohnheiten auf die Zusammensetzung der Milch auswirken und damit auf den Energiegehalt? Die Hebamme hat mich nämlich gefragt, ob ich viel Sahne essen würde (ernsthaft). Oder kann die Gewichtszunahme daher kommen, dass ich über 5 Tage pro Mahlzeit nur 1 Brust gegeben habe, da ich wahnsinnig viel Milch habe? Seit gestern gebe ich jetzt wieder beide Brüste pro Mahlzeit.

3. Im Zuge dessen, dass ich so viel Milch habe, habe ich die andere Brust bei den Mahlzeiten "auslaufen" lassen oder ausgestrichen, zum Teil habe ich mit der Handpumpe einmal angepumt und dann ins Vakuum ausgestrichen, für mich etwas einfacher. Ist das ok oder regt das auch die Milchbildung an?

4. Mein Sohn trinkt wie oben bereits erwähnt, selten kontinuierlich über einen längeren Zeitraum, das längste,was wir mal geschafft haben, waren 15 Minuten. Ansonsten setzt er immer wieder ab, macht Suchbewegungen und ich docke ihn dann erneut an (zunächst auch immer an derselben Brust, erst wenn ich den Eindruck habe, dass der Appetit nachlässt, wechsle ich oder wenn er wirklich die Warze aus dem Mund gleiten lässt). Gibt es etwas, was ich dagegen tun kann oder hat es mit der vielen Milch zu tun? Auch die insgesamt recht kurzen Mahlzeiten (also die wirkliche Zeit des Trinkens) machen mich etwas stutzig, auf der anderen Seite kann ich ihn ja auch nicht zum längeren Trinken zwingen...

5. Mein Sohn macht häufig Suchbewegungen, reißt den Mund ganz weit auf und möchte sich dann doch erst nach mehreren Versuchen andocken lassen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Vielen Dank für Ihre Mühe und für Ihr tolles Buch!

Viele Grüße
Veronika Johannson

  • Liebe Frau Johannson,
  • herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Sohn! Es freut mich sehr, dass Ihnen mein "Kleines Stillbuch" gut zur Seite stand!
  • Ich habe Ihre Mail gerade aufmerksam durchgelesen und kann Ihnen sagen: Sie machen alles BESTENS!!! Hier meine detaillierteren Antworten auf Ihre fünf Fragen:
  1. Sie schildern hier das normale Trinkverhalten eines Babys in diesem Alter - sehr schön!
  2. Machen Sie sich bitte keine Sorgen! Sie haben vollkommen recht, ein Baby wird an der Brust nicht überfüttert und braucht in den ersten sechs Lebensmonaten nichts anderes als Muttermilch. Auch von Tee wird abgeraten. (Übrigens: alle meine Aussagen hier sind wissenschaftlich fundiert und keineswegs nur meine "Meinung"). Ihre Ernährung entspricht ebenfalls dem, was empfohlen wird - versuchen Sie, ihren Appetit auf Süßes (in der Stillzeit physiologisch bedingt und vollkommen normal) mit Sachen zu stillen, die von Natur aus süß sind - z.B. Datteln, getrocknete Aprikosen, etc. - und auch beim Fett kommt es auf die beste Qualität an, also hochwertige Pflanzenfette wie sie in Nüssen und Samen enthalten sind sowie in entsprechenden Ölen (Leinöl, Nussöl, Kernöl, Keimöl, etc.) Die Muttermilch entspricht immer den Bedürfnissen des Babys, unabhängig von der aktuellen Ernährungsweise der Mutter (in den westlichen Industrieländern), lediglich der Vitamingehalt und die Qualität der Fettsäuren lässt sich teilweise durch eine entsprechende Ernährung verbessern.
  3. Lassen Sie die Milch lieber auslaufen und verzichten Sie auf die Pumpe, die regt tatsächlich die Milchbildung an - so wie Sie es beschreiben dürfte das nicht sehr wesentlich sein, aber trotzdem: lieber nicht. Sie können die auslaufende Milch auffangen in einer speziellen Milchauffangschale, die es im Handel gibt.
  4. So wie Sie das beschreiben sehe ich es jeden Tag bei Babys in diesem Alter, Ihr Sohn gestaltet damit den Milchfluss nach seinen Bedürfnissen. Auch das Wechseln auf die zweite Seite beschreiben Sie ganz so, wie ich es in diesem Fall empfehlen würde.
  5. Auch dies: typisch in den ersten Wochen/Monaten. Es gibt ja auch keine Eile!
  • Seien Sie also stolz auf sich und auf Ihren Sohn, freuen Sie sich, dass Sie so viel Milch haben, dass Ihr Sohn so gut gedeiht, dass er so schön trinkt, dass sich alles so wunderbar reguliert, v.a.: dass Sie so viel Liebe haben! Herzliche Grüße!

Sonntag, 10. Mai 2009

Vorbereitung auf die Stillzeit - am besten schon im Geburtsvorbereitungskurs!

Auszug aus der Dokumentation 2008 der Beratungsstelle für Natürliche Geburt und Elternsein e.V., www.haeberlstrasse-17.de

Dass eine adäquate Vorbereitung auf das Stillen sinnvoll ist lässt sich Studien entnehmen die darauf hinweisen, dass die allererste Zeit der Stillbeziehung einen entscheidenden Einfluss auf deren Dauer und Erfolg haben kann. Gleichwohl ist die Stillbeziehung gerade in ihrer allerersten Zeit besonders störanfällig und wird durch verschiedene Umstände, v.a. durch die Personalknappheit in den Entbindungskliniken und hier in München durch den Mangel an Nachsorge-Hebammen, leider nicht immer ausreichend und fachgerecht unterstützt. Viel zu häufig klagen Mütter darüber, dass ihnen entweder niemand geholfen hat, oder dass ihnen vom wechselnden Personal widersprüchliche Anweisungen gegeben wurden. Ausserdem wird allzu oft, wie Erhebungen zeigen, auf Dinge zurückgegriffen welche erwiesenermaßer zu sogenannten Stillproblemen führen und die Stillzeit verkürzen1.
Hier Auszüge aus einem Bericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V.2 unter dem Titel: Mütter sind hoch motiviert - Stillen wird jedoch oft zu früh abgebrochen: “In den ersten Tagen und Wochen entscheidet sich, ob das Stillen gelingt oder nicht. Laut Ernährungsbericht der DGE ist es deshalb um so bedauerlicher, wenn eine stillwillige Mutter wegen vermeidbarer Probleme das Stillen aufgibt. ... Bereits während des Aufenthaltes in der Entbindungsklinik traten bei 40 % der befragten Wöchnerinnen Stillprobleme wie wunde Brustwarzen, zu wenig Muttermilch, Milchstau, Trinkprobleme und Brustentzündungen auf. Nach der Entlassung aus der Klinik hatten sogar 60 % der Mütter in den ersten beiden Lebenswochen des Kindes Stillprobleme. Die meisten der genannten Schwierigkeiten hätten jedoch mit einer kompetenten Information und Beratung vermieden oder behoben werden können.” Denn die genannten Schwierigkeiten gehören nicht ursächlich zum Stillen sondern sind erwiesenermaßen eine Folge von falschen Still-Ratschlägen und -Praktiken durch Fachpersonal. Zwar liegen berichtigende Empfehlungen der Nationalen Stillkommission vor, doch bisher werden diese nur in einem “Babyfreundlichen Krankenhaus” konsequent umgesetzt (erkennbar an ihrer Plakette). Diese Empfehlungen bestehen aus einem Bündel von sehr einfachen Maßnahmen, die Mütter erfolgreich unterstützen in ihrem Wunsch, ihr Neugeborenes problemlos zu stillen. „Mutter und Kind können sich z.B. am besten aufeinander einstimmen und kennen lernen, wenn sie Tag und Nacht im selben Zimmer verbringen. Dieses ´Tag-und-Nacht-Rooming-In´ wird bislang zu selten praktiziert. Auch sollten Sauger, Brusthütchen oder Schnuller in den ersten Lebenswochen bei gestillten Kindern nach Möglichkeit nicht gegeben werden. Wöchnerinnen sollten bei Bedarf außerdem vermehrt in alternativen Zufütterungsmethoden wie Becher-, Finger- oder Löffelfütterung unterrichtet werden... In früheren Generationen wurden Wöchnerinnen von ihren Müttern und anderen erfahrenen Frauen darin angeleitet. Doch heute haben viele Großmütter selbst keine Stillerfahrung. Es kommt also maßgeblich darauf an, dass und wie die Schwangeren in der Geburtsvorbereitung, nach der Entbindung in der Klinik und zu Hause angeleitet werden“, so die DGE. Zu den bedauerlichen Folgen dieser mangelnden Umsetzung der Empfehlungen der Nationalen Stillkommission: “Hoch motiviert starten die Wöchnerinnen: 91 % der Frauen versuchen nach der Geburt, ihr Kind zu stillen. Doch erhält die Motivation schon in den nächsten Tagen einige Dämpfer. Bei der Entlassung aus der Klinik geht der Anteil der ausschließlich stillenden Mütter schon auf 73 % zurück. Nach 14 Tagen stillen nur noch 60 % ausschließlich, gegen Ende des zweiten Monats 42 % und Ende des 6. Monats werden lediglich 10 % der Säuglinge ausschließlich gestillt.”
Hier in München bieten wir in der Beratungsstelle für Natürliche Geburt und Elternsein e.V. nun ein Kurzseminar zur Vorbereitung auf das Stillen an (1 Abend) an, das meine Kollegin Petra Schwaiger, Still- und Laktationsberaterin IBCLC, sehr kompetent leitet: "Stillen ab der ersten Lebensstunde". In ihrem sehr informativen Skript erzählt z.B. “Wilhelm, ein kleiner Säugling”, aus seinem aufregenden jungen Leben. Das beginnt so: “Ich möchte in den ersten Tagen ganz oft saugen und kleine Mengen von dem leckeren Kolostrum trinken. Das schmeckt mir, und mein kleiner unreifer Magen kann sich langsam an die steigende Milchmenge gewöhnen. Ich brauche zusätzlich keine weitere Flüssigkeit, und ich will dann auch nicht aus einer Flasche trinken, das ist Bäh!"
1SuSe-Studie 1997/1998; Bayrische Stillerhebung 2007
2 http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=136