Freitag, 27. Januar 2012

Das Begleitbuch für eine glückliche Stillzeit


Videos, die ich in meinem Vorträgen erwähne:
Meine Vortragstermine: http://www.haeberlstrasse-17.de/veranstaltungen/vortragsreihe

Liebe Leserin, lieber Leser,
stillen lohnt sich immer. Egal, ob Ihr Kind einige Wochen lang gestillt wird oder viele, viele Monate, es wird auf jeden Fall ein Gewinn sein!

Die Freude am Stillen hängt natürlich davon ab, wie rasch man so manches Hindernis überwindet, wie gut man begleitet wird und informiert ist. Mangelt es daran, wird die Stillzeit oft kürzer, als es eigentlich der Wunsch war. Damit es Ihnen nicht so geht, habe ich dieses Buch verfasst. Es stellt Ihnen meine fundierte, über drei Jahrzehnte gewachsene Erfahrung als Stillberaterin zur Verfügung und informiert Sie auf neuestem wissenschaftlichen Stand.
Ich wünsche Ihnen von Herzen eine unbeschwerte und erfolgreiche Stillzeit!


Ihre Vivian Weigert

  • Mein Beratungs-Telefon in der Beratungsstelle Häberlstraße-17: 
    • nach Terminvereinbarung (30,-€ / Std.) unter: 089-5506780 
    • Kurzberatung kostenfrei unter: 089-55067815 (mit Anrufbeantworter)
  • Beratung im wöchentlichen Baby-Treff: offene Stillgruppe, jeden Mittwoch ab 10:30 h im Nebenzimmer des Café Netzwerk, Häberlstraße 17, 80337 München - Nähe Goetheplatz. Wenn Sie im Großraum München wohnen, schauen Sie doch ganz spontan einmal vorbei! Anmeldung ist nicht erforderlich, es wird um 2,--€ UKB gebeten. Mehr zu diesen Beratungs-Angeboten unter: www.haeberlstrasse-17.de
Nachricht von Unbekannt auf meinem Anrufbeantworter: "Hallo Frau Weigert. Ich wollte mich nur mal bedanken bei Ihnen für das tolle Buch, das Sie verfasst haben, das mir sehr geholfen hat durch eine Stillkrise zu kommen und doch weiter zu machen. Das Buch hat ausgelegen im Krankenhaus und ich muss sagen, wenn das jede Mutter lesen würde, es würden alle bis zum Schluss stillen. Danke!" Ich danke auch - freu mich sehr über diese Nachricht!

Mein neues Buch - seit August im Buchhandel:

In vielen Zeitschriften sind bereits Rezensionen und Artikel dazu erschienen, alle sehr positiv, was mich enorm freut und mich für die lange Zeit am Schreibtisch belohnt. Auch für die Leser-Rezensionen auf Amazon bin ich ausgesprochen dankbar! Ich freue mich über alle Feedbacks meiner LeserInnen sehr und versuche, persönlich zu antworten (am schnellsten auf meiner Facebookseite). Sie bestärken mich in meiner Arbeit und in der Hoffnung auf eine Welt mit einer Familienkultur des Herzens!


Donnerstag, 5. Januar 2012

Ein guter Start macht vieles leichter: Wie Bindung gelingen kann

Mein Vortrag auf der Fachtagung „Ein guter Start macht vieles leichter: Wie Bindung gelingen kann“ in der 1. Universitäts Frauenklinik, München, am 31.3.2006.  LESENSWERT!!!

http://www.haeberlstrasse-17.de/sites/default/files/4/stillen.pdf

Stillen und Schlafen

Hat es etwas mit dem Stillen zu tun, ob und wann ein Baby durchschlafen kann? Meine Erfahrung: sehr häufig ist das so - und ist dabei leicht zu ändern. Wenn mehr Eltern darüber Bescheid wüssten, würden mehr Babys schon viel früher viel besser schlafen. 

Dieser Beitrag mit meiner Experten-Meinung ist aus dem ELTERN-Heft 5-2011 und in voller Länge zu finden auf ELTERN-Online http://www.eltern.de/baby/0-3-monate/stillen-wie-lange.html?page=2
Autorin des folgenden Beitrags aus "ELTERN" : Nora Imlau 

AUFGEPASST: Der Titel täuscht ein bisschen - hier geht es vor allem um das Thema DURCHSCHLAFEN

Wie lange will ich stillen - das sagt die Expertin: Vivian Weigert

Warum stillen viele Frauen früher ab als geplant? Und wie können sich stillende Mütter das Leben leichter machen? Darüber sprach ELTERN-Autorin Nora Imlau mit Vivian Weigert. Die Stillberaterin und Leiterin der Fachstelle für Säuglingsfragen e. V. in München hat gerade ein einfühlsames und hilfreiches Buch zum Thema veröffentlicht: "Stillen. Das Begleitbuch für eine glückliche Stillzeit" (Kösel, 14,95 Euro).


Fast alle Schwangeren geben in Umfragen an, ihr Baby die empfohlenen vier bis sechs Monate voll stillen zu wollen. Weniger als der Hälfte gelingt das. Fehlt es deutschen Müttern an Durchhaltevermögen?
Nein, und auch nicht an gutem Willen. Wenn eine Stillbeziehung nach wenigen Wochen endet, dann in den seltensten Fällen auf Wunsch der Mutter. 'Bei mir hat's leider nicht geklappt“, sagen mir diese Frauen traurig. Dieses Bild ist immer noch in den Köpfen: dass Stillen irgendwie Glückssache ist. Die einen können's, die anderen nicht. Und in Wirklichkeit? Kann es praktisch jede Frau - wenn sie die richtige Beratung und Unterstützung bekommt.

Ein Satz, den viele Frauen nicht gern hören.
Ja, weil er für sie wie ein Vorwurf klingt: Jede kann stillen - warum nicht auch du? So meine ich ihn aber nicht. Ich will Frauen vielmehr Mut machen: Ihr habt die wunderbare Gabe, euer Baby an der Brust ernähren zu können. Lasst euch das nicht nehmen, sondern fordert die Hilfe ein, die ihr braucht. Denn die Gründe für unfreiwilliges frühes Abstillen sind immer die gleichen. Entweder starke Schmerzen beim Stillen oder das Gefühl, das Baby würde nicht satt. Probleme, die mit der richtigen Stillberatung oft gar nicht erst auftreten würden - oder schnell gelöst werden könnten.

Wie können Frauen sonst noch verhindern, dass sie unfreiwillig früh abstillen?
Wir wissen heute, dass die ersten Stunden nach der Geburt ungeheuer wichtig sind für die Stillbeziehung. Also sollten Mütter darauf bestehen, in dieser Zeit nicht von ihrem Baby getrennt zu werden. So kann die
U1 beispielsweise auch auf dem Bauch der Mutter gemacht werden, und alle Routine kann warten, bis das Baby zum ersten Mal an der Brust lag.
Wenn dann das Stillen gut und schmerzfrei klappt ...
... genießen es die meisten Frauen sehr. Das Baby wächst und gedeiht, und in dieser Phase denken die wenigsten Mütter ans Abstillen. Das ändert sich allerdings recht zuverlässig mit dem vierten Lebensmonat.

Was ist da los?
In diesem Alter lassen sich Babys leicht ablenken. Sehen sie beim Trinken etwas Spannendes, zappeln sie herum, docken sich ab - und holen in der Nacht die Milchmahlzeiten des Tages nach. Die Mütter haben nachts also stündlich ihr Kind an der Brust, sind erschöpft und denken dann: Wahrscheinlich reicht meine Milch eh' nicht mehr!

Was ist die Alternative?
Das Baby ganz bewusst tagsüber mindestens alle drei Stunden an die Brust zu legen und durch häufigeres Wechseln beider Seiten die Mahlzeiten tagsüber wieder zu verlängern, nachts hingegen nur das Minimum anzubieten.

Eine zu kurze Stillzeit gibt es nicht!
Dann werden die Nächte von selbst besser?
Meistens, ja. Allerdings brauchen Babys etwa zwei Wochen, um sich umzustellen. Leider beobachte ich immer wieder, dass Mütter denken, sie dürften nicht in den Stillrhythmus eingreifen. Schreibt eine Mutter in einem Internetforum, dass sie von den durchgestillten Nächten völlig erschöpft ist, kriegt sie oft zur Antwort: "Halt durch und gib deinem Baby jederzeit, was es braucht!" Damit wird ihr Problem aber weder ernst genommen noch gelöst, denn das Baby könnte seinen Bedarf auch tagsüber stillen. Viele Frauen wollen vor allem deshalb abstillen, weil sie den Schlafmangel nicht mehr aushalten. Wenn ich ihnen dann vorschlage, erst mal nur nachts abzustillen, sind sie ganz verblüfft. Das soll gehen? Klar geht das!

Und wie genau?
Indem es in einem bestimmten Zeitfenster nachts keine Milch mehr gibt, während man tagsüber für ein ausreichendes Angebot sorgt. Ist ein Baby älter als sieben oder acht Monate, sehe ich darin kein Problem. Natürlich ist es wichtig, ein Baby mit dem Frust über die Umstellung nicht allein zu lassen, es zu trösten und mit ihm zu kuscheln. Aber meist akzeptieren Babys diese neue "Still-Ordnung" schnell und schlafen in der nächtlichen Pause durch - und die Mutter ist dann so ausgeschlafen, dass sie das Stillen tagsüber wieder genießen kann.

Sie betonen die Vorteile des Stillens übers erste halbe Jahr hinaus. Schlimm, wenn eine Mutter dazu keine Lust mehr hat?
Nein. Entscheidet sich eine Frau bewusst dafür, abzustillen, gibt es daran nichts auszusetzen. Traurig ist nur, wenn sie selbst das Gefühl hat, es sei zu früh - etwa, weil jemand sie dazu drängt.

Wann ist denn aus Ihrer Sicht der optimale Zeitpunkt?
Ganz einfach: wenn eine Mutter merkt, dass sie nicht mehr stillen will. Nicht, weil die anderen sagen, sie sei eine Glucke. Sondern weil sie selber spürt: Jetzt ist es genug. Eine zu kurze Stillzeit gibt es übrigens nicht. Stillen ist immer wertvoll. Egal, ob eine Mutter ihrem Kind einige Wochen oder viele Monate lang die Brust gegeben hat - sie kann in jedem Fall sehr stolz darauf sein.

Wie lange will ich stillen - das sagt die Wissenschaft

Studien belegen, dass eine längere Stillzeit für Mutter und Kind gesundheitlich nur Vorteile hat. Deshalb empfiehlt etwa die Weltgesundheitsorganisation (WHO) explizit auch Müttern in Industrienationen, ihr Kind begleitend zu altersangemessener Beikost bis zum zweiten Geburtstag oder sogar darüber hinaus zu stillen, wenn es ihnen damit gut geht. Gleichzeitig ist auch klar: Diese Empfehlung hat hier lange nicht die Dringlichkeit wie etwa in Entwicklungsländern. Denn wir haben das Privileg, jederzeit auf hochwertige Babynahrung zurückgreifen können.
Zusammengefasst heißt das: Mütter können ihr Kind mit gutem Gewissen so lange stillen, wie sie möchten. Und wenn sie genug haben, ist es genug - ob nach einigen Wochen oder nach vielen Monaten.
Und hier ein interessantes Interview mit Dr. Michael Abou-Dakn zum Thema Stillen und Schlafen: http://www.youtube.com/watch?v=89G62Ycfhqc (Dr. Abou-Dakn hat auch ein schönes Vorwort zu diesem Buch beigetragen!)

Muttermilch


Aus der stammt diese gute Recherche zu den wunderbaren Inhaltsstoffen der

Muttermilch

Mamas süßes Geheimnis

In der Muttermilch sind zahlreiche Zuckerstoffe enthalten, von denen man noch gar nicht weiß, wozu sie gut sind. Sicher ist nur: Sie lassen sich nicht nachahmen.

Von Ulrike Gebhardt

09. Mai 2011 
Für den kleinen Moritz ist die Welt noch in Ordnung. Zufrieden liegt er an der mütterlichen Brust und saugt, was das Zeug hält. Hunger und Durst wollen gestillt werden, da kommt die energiehaltige und körperwarme Milch gerade recht. Und die Mischung stimmt ja auch: Fette, Proteine und Laktose sorgen für die Sättigung, Vitamine, Wachstumsfaktoren und Abwehrstoffe lassen den Säugling gedeihen und schützen ihn vor Infektionen.
Einige Bestandteile wird Moritz wohl kaum wahrnehmen, obwohl sie hochkonzentriert in der Muttermilch vorhanden sind: bis zu zweihundert verschiedene Mehrfachzucker, die im Vergleich zur Laktose nur leicht süßlich schmecken. Sie werden in der Brustdrüse aus fünf verschiedenen Bausteinen zusammengesetzt, die zu kurzen oder längeren, verzweigten oder unverzweigten Ketten geknüpft werden. Einmal geschluckt, widerstehen diese Humanen Milcholigosaccharide (HMO) dem sauren Milieu im Magen des Säuglings. Auch die Verdauungsenzyme können den Zuckermolekülen nichts anhaben, so dass sie unverdaut bis in den Darm rauschen.
Der Säugling profitiert auf den ersten Blick also nicht von diesen Stoffen. Warum werden sie dann überhaupt gebildet? "Wir wissen es einfach noch nicht", sagt Lars Bode von der University of California in San Diego. Im März berichtete der aus Hameln stammende Ernährungswissenschaftler auf dem Berliner "Glycan Forum" über die geheimnisvollen Milchzucker, die immerhin schon seit mehr als einem halben Jahrhundert bekannt sind. In der Fachwelt gibt es bislang nur Vermutungen, wozu sie dienen. "Einige Darmbakterien können sie im Gegensatz zum Menschen verdauen. Deshalb nimmt man heute an, dass diese Zucker in erster Linie wie Präbiotika wirken", sagt Bode.

Wohltätige Bakterien

Erst während und nach der Geburt wird der zunächst nahezu keimfreie Darm des Neugeborenen von einer bunten Bakteriengesellschaft bevölkert. Im Idealfall siedeln sich viele "gute" Bakterien an, die gefährlichen Mikroorganismen erst gar keinen Raum zum Gedeihen lassen. Bei gestillten Säuglingen gewinnen rasch Laktobazillen und Bifidobakterien die Oberhand; den Darm von Kindern, die mit Flaschenmilch aufwachsen, besiedelt eine etwas anders zusammengesetzte Bakteriengemeinschaft. Beim Stillen überträgt die Mutter manche Bakterien auch mit der Milch. Diese haben zum Teil eine abenteuerliche Reise hinter sich: Sie sind über die Lymphbahnen vom Darm der Mutter in deren Brustdrüse und von dort in die Milch gelangt. Nach aktuellem Wissensstand sollen gerade Bifidobakterien im sauerstoff- und nährstoffarmen Milieu des Darms wahre Wunder vollbringen: Sie schützen offenbar vor Durchfallerregern, entschärfen Gifte und wirken regulierend auf die Immunfunktion ein.
Ein wichtiger Darmbewohner von Stillkindern, Bifidobakterium longum infantis, entwickelt tatsächlich einen besonders großen Appetit auf Humane Milcholigosaccharide; er verleibt sie sich ein und verarbeitet sie zu kurzen Fettsäuremolekülen. Doch auch die Bifidobakterien schaffen es nicht, sämtliche HMO in der Muttermilch zu zerlegen. So landen teilweise bis zu neunzig Prozent der Moleküle unverändert in der Windel. Forscher wie Lars Bode glauben deshalb, dass sie noch andere Funktionen erfüllen müssen, als bloß Futter für nützliche Bakterien zu sein. "Es hängt wohl mit der Leistung des Abwehrsystems zusammen", vermutet Bode. Unangenehme Darmbesucher wie der Cholera-Erreger, Salmonellen oder das Durchfallbakterium Campylobacter jejuni können nämlich nur dann ihr Unwesen treiben, wenn sie sich über winzige Anker in der Zuckerhülle, welche die Darmoberfläche bedeckt, vergraben. "Einige Oligosaccharide ähneln nun genau den Strukturen, an die sich die Bakterien hängen", erklärt Bode. "Sie werden auf diese Weise abgefangen und aus dem Darm herausgespült." Das geschieht nicht nur im Darm, sondern widerfährt bereits ungebetenen Gästen, die sich in Mund und Speiseröhre tummeln.

Komplexe Zuckermoleküle

Da jeder Krankheitserreger seinen spezifischen Ankerplatz auf der Zuckerhülle hat, ist es durchaus sinnvoll, dass so viele verschiedene HMO-Strukturen zirkulieren. Doch von Frau zu Frau, im Laufe einer Stillperiode oder sogar während einer einzigen Stillmahlzeit kann die Zusammensetzung dieses Cocktails in der Milch variieren. Und nicht immer passt die individuelle Mischung perfekt zu den Herausforderungen durch pathogene Keime. Lars Bodes Team etwa hat Hinweise gefunden, dass manche aidsinfizierte Mütter mit einem bestimmten Zuckerprofil das Virus beim Stillen häufiger weitergeben als andere. 80 bis 85 Prozent aller Säuglinge stecken sich normalerweise nicht an, obwohl sie dem Virus über die Milch monatelang ausgesetzt sind. Vermutlich sind einige Oligosaccharide an diesem Schutzeffekt beteiligt. Zumindest hemmen sie im Labortest die Anheftung des Aidsvirus an jene zuckerbindenden Strukturen der Wächterzellen des Immunsystems, über die sich das Virus sonst Eintritt in den Körper verschaffen würde. In Bodes kalifornischem Labor versucht man nun herauszufinden, welche Zucker es genau sind, die diesen Schutz vermitteln.
Humane Milcholigosaccharide sind aber nicht nur im Verdauungstrakt aktiv. Hinweise auf weitere Einsatzorte im Körper hat jedenfalls Clemens Kunz vom Institut für Ernährungswissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen gefunden. Kunz untersucht seit vielen Jahren den Stoffwechsel von gestillten Säuglingen. Erstaunlicherweise und ganz entgegen bestehender Lehrbuchmeinung tauchen ein bis zwei Prozent der aufgenommenen Zuckerverbindungen intakt im Urin der Kinder auf. Offenbar wird ein kleiner Anteil von ihnen über die Darmwand aufgenommen. "Bisher ist man davon ausgegangen, dass eine solche Absorption nur bei Einfachzuckern funktioniert. Doch auch die komplexen Zucker zirkulieren nach der Aufnahme im Organismus in vergleichbaren Mengen, wie es etwa Pharmaka tun würden", sagt Kunz. Über die Frage, was die HMO dabei bewirken, kann bislang nur spekuliert werden. Laboruntersuchungen deuten auf einen bremsenden Einfluss auf Immunzellen hin, deren Aktionen ohnehin häufig von Zuckerverbindungen gesteuert werden. Ebenfalls diskutiert wird die Möglichkeit, dass die mütterlichen Zucker als Rohstofflieferanten bei der Hirnentwicklung dienen; beim Ausbau des Nervennetzes von Neugeborenen wird unter anderem Sialinsäure benötigt, die ein wesentlicher Bestandteil der HMO ist.
Die Fülle an komplexen Zuckermolekülen in der menschlichen Frauenmilch ist einzigartig. Kuhmilch und damit auch die auf der Kuhmilch basierende Flaschenmilch enthalten nur Spuren dieser Inhaltsstoffe. Deshalb fügen einige Hersteller von Flaschenmilch ihren Rezepturen als Ersatz sogenannte Galacto- (GOS) und Fructo-Oligosaccharide (FOS) bei. "Langkettige Moleküle gewinnen wir dabei aus Chicorée-Gemüse", erklärt Günther Boehm, Forschungsleiter für Babynahrung bei Danone und ehemals Leiter einer Frauenmilchsammelstelle im Osten Deutschlands. Die kurzkettigeren GOS dagegen werden synthetisch durch Enzymbehandlung aus Laktose gewonnen.

Vorsicht bei Anreicherungen

Obwohl die Ersatzstoffe wesentlich simpler aufgebaut sind als die komplexen Vorbilder, fördern auch sie das Wachstum von Bifidobakterien im Darm der Flaschenkinder. Vor fünf Jahren konnte eine Studie an 206 Mailänder Kindern mit hohem genetisch bedingtem Allergierisiko zeigen, dass Galacto- und Fructo-Oligosaccharide ähnlich wie das Stillen die Allergiehäufigkeit senken können. Während 24 von 104 Kindern in der Kontrollgruppe nach sechs Monaten eine Neurodermitis entwickelten, waren es in der Gruppe, die den Zusatz erhielten, nur zehn von 102 Kindern. "Offenbar verändert die Beimengung die Darmbesiedlung im positiven Sinne", sagt Thomas Eiwegger von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Wien. Warum das einer Allergie entgegenwirkt, ist allerdings unklar. Einen Effekt, den die echten Stoffe zeigen, besitzen die Ersatz-Zucker nämlich nicht: In Eiweggers Experimenten beeinflussten nur die humanen Oligosaccharide, nicht aber die künstlichen die kindlichen Immunzellen so unmittelbar, dass diese nicht mehr in Richtung Allergie agierten.
Allerdings können auch die künstlichen Zusatzstoffe zügig die Darmwand überwinden und damit rein theoretisch im Körper zirkulieren. Ob und was sie hier anrichten, ist wiederum völlig unbekannt. "Um unerwünschte Effekte auszuschließen, sind noch weitere Studien nötig", sagt Eiwegger. Als Kinderarzt sieht er bisher noch nicht genügend Beweise, eine angereicherte Flaschenmilch zur Therapie zu empfehlen; abraten würde er von einer solchen aber auch nicht, gibt sich Eiwegger diplomatisch.
Lars Bode dagegen rät gerade bei Neugeborenen zur Vorsicht, da man bisher nicht alle Effekte vorhersagen könne. Bedenklich stimmt beispielsweise die Lektüre einer drei Jahre alten Studie französischer Forscher von der Universität Nantes. Im unreifen Darm von bis zu zwanzig Tage alten Ratten hatten Fructo-Saccharide die natürliche Darmbarriere geschwächt und Salmonellenbakterien den Übertritt vom Darm in andere Körpergewebe erleichtert. "Diese Beobachtungen bei Ratten werfen die Frage auf, ob FOS bei einer so vulnerablen Gruppe wie Säuglingen mit einem noch nicht voll ausgereiften Immunsystem zum Einsatz kommen sollten", schrieb der österreichische Kinderarzt Karl Zwiauer im vergangenen Jahr dazu in einem Beitrag der Zeitschrift pädiatrie & pädologie.

Synthetisierung gegenwärtig zu teuer

Bei Clemens Kunz stößt die von manchen Herstellerfirmen offerierte Botschaft auf Unverständnis, nach der die Zusatzstoffe mit den humanen Milcholigosacchariden vergleichbar seien: "Der Einsatz an sich scheint sinnvoll zu sein, doch der Vergleich mit den HMO ist völliger Unsinn." Kunz und andere Forscher stören sich auch an der einseitigen Argumentation, die Zuckerstoffe förderten ausschließlich das Wachstum von Bifidobakterien. "Natürlich beeinflussen sie die bakterielle Zusammensetzung des Darms sehr stark. Das läuft aber nicht nur über diese Bakterienart, sondern scheint viel komplexer zu sein", sagt Kunz.
Sollte die Darmflora tatsächlich so großen Einfluss auf entscheidende Körperprozesse wie die Immunabwehr oder den Energiestoffwechsel haben, wie die Wissenschaftler inzwischen glauben, müsste der Einsatz von Präbiotika in der Nahrung eigentlich mit viel mehr Sorgfalt geprüft werden, als das bisher der Fall ist. Nur in einem Punkt sind sich die Milchforscher sicher: Die komplexen Eigenschaften der Muttermilch-Zucker werden die Ersatzstoffe niemals auslösen können. Dennoch ist man in der Forschungsabteilung von Danone gerade dabei, den Mix um ein weiteres Oligosaccharid, das aus Pflanzenmaterial gewonnen wird, zu erweitern. Mit diesem Zucker hofft man, auch den möglichen Infektionsschutz durch die echten Muttermilchstoffe nachahmen zu können.
Humane Milcholigosaccharide auf künstlichem Wege herzustellen, wird nach Lars Bodes Ansicht erst gelingen, wenn man besser versteht, wie sie in der weiblichen Brust synthetisiert werden. Gegenwärtig sind selbst Annäherungen an das Vorbild in der Herstellung zu teuer und nur mit Unterstützung von gentechnisch manipulierten Mikroorganismen vorstellbar. Doch eine Flaschenmilch mit entsprechendem Hinweis würde sich in Deutschland und auch in vielen anderen Ländern wohl kaum verkaufen. Das Hauptanliegen von Bodes Team ist deshalb auch nicht die Verbesserung der Flaschenmilch. "Wir versuchen nur herauszufinden, welche Vorteile die diversen Zucker dem Säugling bringen. Mütter sollten einfach stillen, damit bieten sie ihren Kindern automatisch die beste Nahrung", sagt Bode.
Könnte Moritz sich schon dazu äußern, würde er das vermutlich genauso sehen.
Text: F.A.S.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2011.

Montag, 29. August 2011

Es gibt kein Kind, das nicht gestillt werden möchte

Dr. Michael Abou-Dakn über Geburt und Stillen:

http://www.welt.de/gesundheit/article13467516/Es-gibt-kein-Kind-das-nicht-gestillt-werden-moechte.html?fb_ref=dachzeile&fb_source=home_oneline

Wie lange stillen?

http://www.eltern.de/baby/0-3-monate/stillen-wie-lange.html?page=2
http://velb.org/docs/ls-1_2010-was-du-stillst-noch.pdf 


 

Zungenbändchen zu kurz?

"Bei Neugeborenen mit Stillproblematik ist häufiger mit einer Ankyloglossie zu rechnen..." Ein zu kurzes Zungenbändchen beeinträchtigt das Saugen des Babys oft so, dass die Zungenspitze die Mamille wundreibt - doch die Frage, ob das Bändchen durchtrennt werden soll - ein harmloser kurzer Eingriff - wird unterschiedlich diskutiert. Hierzu ein aufschlussreicher Fachartikel mit erhellenden Fotos  :

http://www.swiss-paediatrics.org/sites/default/files/paediatrica/vol21/n3/pdf/32-34.pdf